Europäische Forschung, amerikanischer Erfolg

Europa investiert Milliarden in die Forschung, doch wirtschaftlich profitieren davon häufig Unternehmen in den USA. Das kritisiert ifo-Präsident Clemens Fuest. „Wir müssen Fördermittel dorthin lenken, wo aus Forschungsergebnissen in Europa marktfähige Innovationen entstehen können“, fordert Fuest gemeinsam mit 50 weiteren Forschenden in der Fachzeitschrift "Science".
Ein Beispiel: Forschung, die vom Europäischen Forschungsrat (ERC) gefördert wird, taucht überdurchschnittlich häufig in Patenten US-amerikanischer Start-ups auf. Gleichzeitig fließen in Europa nur etwa ein bis zwei Prozent des ERC-Budgets in die Weiterentwicklung neuer Forschungsideen. Auch bei der Frühphasenförderung klafft eine erhebliche Lücke: Während europäische Programme zusammen über rund 500 Millionen Euro verfügen, stehen vergleichbaren US-Forschungsagenturen mehr als sieben Milliarden Euro zur Verfügung.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlagen vor, Fördergelder gezielter für besonders aussichtsreiche Innovationen einzusetzen und bürokratische Hürden abzubauen. Allein die Vorbereitung eines Förderantrags beim Europäischen Innovationsrat beansprucht laut Studien derzeit 36 bis 45 Personentage.
Die Gelegenheit für Veränderungen ist günstig: Für das europäische Forschungsprogramm Horizon Europe von 2028 bis 2034 hat die EU-Kommission ein Budget von knapp 175 Milliarden Euro vorgeschlagen – fast doppelt so viel wie bisher. Über die Mittel wird derzeit verhandelt. Entscheidend dürfte sein, ob künftig mehr europäische Forschung auch zu wirtschaftlichem Erfolg in Europa führt.









